Im Licht des Nordens – Island im Spätherbst – Teil 2
Die ersten beiden Tage in Island waren nach einer langen Anreise von Dänemark über die Färöer wunderschön. Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, konnten Eystrahorn und Vestrahorn bei nahezu perfektem Sonnenlicht genießen und eine Wanderung zur Gletscherzunge Fláajökull unternehmen. Jedoch endete der zweite Abend im sehr dünn besiedelten Süden Islands mit einem Defekt an unserem Iveco Daily. Die Tragweite dieses Schadens, waren uns an dem Abend noch gar nicht wirklich bewusst.
Inhaltsverzeichnis anzeigen
- Wanderung zum Svartifoss und zum Skaftafellsjökull
- Akuter Handlungsbedarf – das Kühlwasser ist weg
- Ein Abstecher zum Fjaðrárgljúfur Canyon
- Kurze Erholung in Vík í Mýrdal
- Reynisfjara Strand im dichten Nebel
- Die Gletscherzunge Sólheimajökull
- Abstecher zum mächtigen Skógafoss
- Seljavallalaug – Der verlassene Pool
- Der schöne Seljalandsfoss in der Dämmerung
- Farbenspiele in der Nacht – Polarlichter in Island
- Die Stationen dieser Etappe
- Zum nächsten Teil der Reise.
Die letzte Nacht verbrachten wir in Skaftafell auf dem Campingplatz, und am Abend vorher hatte sich unser Iveco Daily mit einem roten Symbol gemeldet, und uns mitgeteilt, dass der Stand vom Kühlmittel unter die Minimummarke gefallen sei. Damit hatte der Wagen leider recht und wir wollten das in einer zum Glück nahegelegenen “Werkstatt” zur Sicherheit prüfen lassen. In dem Moment war uns noch nicht wirklich bewusst, wie kurz wir vor dem abrupten Abbruch unser Reise gestanden haben.
Das Wetter war aber auch am Beginn des dritten Tag ein Träumchen und das muss man natürlich erst einmal ausnutzen. Es ist Freitag und ja, vor dem Wochenende sollten/müssen wir das mit dem Kühlwasserverlust in der Werkstatt abklären lassen, bevor wir hier womöglich irgendwo festsitzen. Erst einmal musste aber das gute Wetter genutzt werden und eine Wanderung zum Svartifoss und der Gletscherzunge Skaftafellsjökull stand an.
Wanderung zum Svartifoss und zum Skaftafellsjökull
Im Nationalpark Skaftafell kann man wunderbar wandern und der Campingplatz in Skaftafell ist dafür ein perfekter Ausgangspunkt. Früh am Morgen machten wir uns auf den Weg zum Svartifoss, dem „schwarzen Wasserfall“, der seinen Namen den dunklen Basaltsäulen verdankt, über welche das Wasser ca. 20 Meter in die Tiefe stürzt. Der Weg dorthin führt stetig bergauf, aber er ist gut ausgebaut und bietet immer wieder tolle Ausblicke über das Tal und auf den Gletscher.
Es waren zu der Zeit kaum andere Menschen unterwegs und nach etwa 30 Minuten erreichten wir den Wasserfall – und der Anblick war beeindruckend. Das Wasser fällt hier in einem feinen Schleier über die gleichmäßig geformten Basaltsäulen, die wie Orgelpfeifen aussehen, in die Tiefe.

Das Zusammenspiel von schwarzem Gestein, weißem Wasser und grünem Moos macht diesen Ort einzigartig. Wir blieben eine ganze Weile dort vollkommen alleine, genossen die Stimmung und machten natürlich unzählige Fotos.
Anschließend wanderten wir ein Stück zurück in Richtung Tal und dann weiter zur Gletscherzunge Skaftafellsjökull, die nur rund 30 Minuten entfernt liegt. Der Weg führt über eine karge, von Eis geformte Landschaft – graue Steine, feiner Sand, kleine Tümpel und außer uns waren keine anderen Wanderer unterwegs. Und dann tauchte plötzlich die Gletscherzunge auf: gewaltig, blau-weiß schimmernd und durchzogen von schwarzen Ascheschichten.



Wenn da nicht das noch ungeklärte Problem mit unserem Daily bestanden hätte, wären wir besonders bei dem guten Wetter hier oben noch sehr gerne viele Stunden weitergewandert. Irgendetwas sagte uns aber, dass wir das Thema mit dem Kühlwasserverlust doch lieber zeitnah klären sollten, und wir begannen den Abstieg ins Tal in Richtung des Campingplatzes.
Akuter Handlungsbedarf – das Kühlwasser ist weg
Als wir wieder am Wohnmobil ankamen und die Motorhaube öffneten, erschraken wir, denn das Kühlwasser war nahezu vollständig verschwunden. Ich legte mich unters Auto und konnte kaum glauben, was ich hier sah. Überall waren Reste der roten Kühlflüssigkeit zu sehen.



Ich nehme grundsätzlich einiges an Ersatzteilen und auch gewisse Mittel für das eigentliche Fahrzeug mit auf Reisen, wie Motoröl, AdBlue usw., aber Kühlflüssigkeit und ein Aluminiumschweißgerät gehört(e) bis jetzt nicht dazu. So eine verdammte Scheiße, dachten wir, aber hey, wird schon irgendwie werden! Immer schön positiv denken.
Die nächste “Werkstatt”(Bílaverkstæði Hofs ehf.) war laut Google Maps zu unserem Glück in dieser ansonsten sehr dünn besiedelten Gegend weniger als 20 km entfernt. Also musste hier erst einmal normales Leitungswasser aushelfen, um die kurze Strecke irgendwie bewältigen zu können.
Wir füllten den Tank bis zur Markierung mit etwa drei Litern Wasser auf und machten uns ganz behutsam auf den Weg zur Werkstatt. An der etwas unscheinbar wirkenden Halle, irgendwo im Nirgendwo gelegen angekommen, lief der Rest der Brühe bereits munter unten wieder aus dem Daily heraus. Der Mechaniker namens Kamil, ich nenne ihn seit unserem Besuch auch gerne den Zauberer, entfernte die Radkastenverkleidung und man entdeckte den Übeltäter sofort.


Ein loses, am Trägerrahmen baumelndes Metallstück (linkes Bild unten), evtl. zum Halten von Leitungen oder Kabeln (nicht jedoch in unserem Fahrzeug), hatte durch Erschütterungen wohl für einen Riss in der Aluminiumleitung gesorgt. Genau in dem kleinen Bereich, wo die Leitungen (warum auch immer) nicht ummantelt sind. Da hat wohl jemand bei der Montage bei Iveco an Material gespart und dann auch noch das Schräubchen nicht richtig festgezogen. Warum man hier keine selbstsichernden Muttern verwendet hat, ist mir ebenso ein Rätsel. Grazie di cuore!
Kamil (der Zauberer) sprach klar und deutlich aus, was wir uns schon dachten, dass wir so unmöglich weiterfahren könnten. Vorrätige Ersatzleitungen hätten aber leider nicht den geeigneten Durchmesser und Aluminiumschweißen könnte er wegen fehlender Gerätschaften nicht. In der Umgebung gäbe es auch definitiv keine Werkstatt, die das könnte. Frühestens im knapp 300 km entfernten Selfoss oder in der Hauptstadt Reykjavik (350 km) gäbe es dafür geeignete Werkstätten.
Eine Fahrt dahin wäre aber im aktuellen Zustand unseres Fahrzeugs absolut unmöglich. Da müssten wir schon einen Tankwagen mit Kühlwasser hinter uns herziehen. Ich sah uns schon auf einem Abschleppwagen in Richtung Fähranleger tuckern und danach im Hotel bzw. mit einem Mietwagen den Rest der Zeit verbringen, aber Kamil überlegte ein Weilchen und hatte eine Idee.

Vom Durchmesser des Rohres könnte ein darübergestülpter handelsüblicher Gartenschlauch genau passen und den Risse somit abdichten. Wir mussten anfangs beide kurz über den Vorschlag lachen, aber eine wirkliche Alternative hatten wir nicht, wenn es nicht das vorzeitige Ende unserer Reise bedeuten sollte. Also Reifen runter und mit viel Kraft, Schweiß und Gefluche schob Kamil das Stück Schlauch über das Rohr an einem 90°-Winkel vorbei bis an die beschädigte Stelle und sicherte den Schlauch mit zwei Schellen gegen Verrutschen.


Jetzt hieß es: Kühlwasser auffüllen, Motor starten, Heizung und sonstige Verbraucher an und alles erst einmal einige Zeit laufen lassen. Der Iveco Daily war auf Temperatur und es tropfte (vorerst) nichts! Verdammt, wie geil, so konnte unsere Reise erst einmal weitergehen.
Kamil meinte noch, dass er uns ganz fest die Daumen drücken würde, dass diese temporäre Lösung zumindest bis nach Selfoss halten würde. Auf Dauer wäre ein solcher Gartenschlauch für die hohen Temperaturen des Kühlwassers natürlich nicht geeignet und dieser würde sich irgendwann auflösen. Wir dankten Kamil von ganzem Herzen für seine kreative Hilfe und traten die Weiterreise an.
Ein Abstecher zum Fjaðrárgljúfur Canyon
Die ganze Aktion in der Werkstatt hatte einiges an Zeit gekostet und der nächste Campingplatz, auf unserer Liste, befand sich im rund 150 Kilometer entfernten Vík í Mýrdal. Eine solche Strecke ist eine geeignete Möglichkeit, die Dichtigkeit des Gartenschlauches weiter zu testen. Die asphaltierte Ringstraße erschien uns für die nächsten Tage als eine relativ sichere Möglichkeit, unser Fahrzeug fortzubewegen. Sollte es zu einer Panne kommen, würden wir uns nicht irgendwo im einsamen Hochland befinden, sondern an einem Ort, an dem wir im Notfall auch abgeschleppt werden könnten.
So sehr wir uns auch auf Fahrten ins Hochland über die sogenannten F-Roads mit dem neuen Fahrzeug im Vorfeld gefreut haben, von denen zum damaligen Zeitpunkt, die meisten sogar, noch geöffnet waren, so erschien uns das mit unserem Leck in der Kühlwasserleitung als zu leichtsinnig. Kostenübernahme einer Abschleppaktion auf einer asphaltierten Straße innerhalb des Schutzbriefes, etwa vom ADAC ist die eine Sache, aber im Hochland wird das so nicht möglich sein und dann sehr teuer werden. Das Risiko war es uns definitiv nicht wert!
Auf dem Weg nach Vík í Mýrdal lag aber auch der schöne Fjaðrárgljúfur Canyon und wir mussten dafür nur ein kurzes Stück von der Ringstraße in Richtung Landesinnere fahren. Das kleine Risiko, können wir sicherlich eingehen und bogen nach rechts auf die 206 ab.
Der Fjaðrárgljúfur Canyon ist eine der beeindruckendsten Schluchten Islands. Vom kostenpflichtigen Parkplatz (Bezahlung per Parka-App) führt ein gut angelegter Weg am Rand der Schlucht entlang, immer mit Blick auf das tief eingeschnittene Flusstal.



Der Canyon ist rund zwei Kilometer lang und bis zu hundert Meter tief. Unten schlängelt sich die Fjaðrá, ein kleiner, klarer Fluss, der über Jahrtausende diese spektakuläre Landschaft geformt hat. Immer wieder boten sich Aussichtspunkte, von denen wir weit in die Schlucht blicken konnten – grüne, moosbewachsene Felsen, das glitzernde Wasser und das wechselnde Licht. Einfach herrlich und eine gute Abwechslung nach dem Schreck in der Werkstatt.
Kurze Erholung in Vík í Mýrdal
Kamil hatte die Radkastenverkleidung absichtlich nicht montiert und wir transportierten sie in der Heckgarage. So war es deutlich einfacher zu überprüfen, ob der Gartenschlauch seine Funktion als Pflaster erfüllte. Als wir am Fjaðrárgljúfur Canyon losgefahren sind, waren (noch) keine Tropfen an der Leitung oder auf dem darunter liegenden Trägerrahmen zu erkennen.
Die knapp 70 Kilometer bis nach Vík í Mýrdal auf den dortigen Campingplatz schafften wir auch ohne große Probleme bzw. sichtbaren Verlust von der roten kostbaren Kühlflüssigkeit.
Der Campingplatz ist gut ausgestattet und die knapp 30 Euro bei zwei Personen sind für isländische Verhältnisse sogar relativ günstig. Der Platz verfügt unter anderem über Waschmaschinen und Trockner, was wir dann auch gleich einmal genutzt haben. Nach so einem aufregenden Tag waren wir beide ziemlich geschafft und sind relativ früh ins Bett gefallen.
Reynisfjara Strand im dichten Nebel
Am nächsten Morgen war natürlich der erste Blick von uns auf die betroffene Kühlwasserleitung und den entsprechenden Tank. Kamil hatte uns bereits vorgewarnt, dass die Luft aus den Leitungen noch entweichen muss und der Flüssigkeitsstand dann deutlich absacken wird und wir dementsprechend nachfüllen müssten. Dafür hatte er uns auch noch zwei Liter Kühlflüssigkeit mitgegeben.
Wir haben zwar nur einen Liter nachfüllen müssen, jedoch befand sich auch der ein oder andere Tropfen an der Leitung bzw. auf dem darunterliegenden Rahmen. Noch kein Grund zur Panik, aber ein Zustand, den wir natürlich weiterhin sehr genau beobachten mussten.
Nur wenige Fahrminuten von Vík í Mýrdal entfernt, liegt der Reynisfjara-Strand. Als wir den Touristenmagnet dieser Region erreichten, lag er im dichten Nebel, aber dennoch wagten wir einen Besuch. Die Gebühren von knapp 7 € für den Parkplatz waren ohnehin schon fällig, weil man per Kennzeichen erfasst wird und über die Parka-App bezahlen muss.
Vom Parkplatz aus war erst nur das Rauschen der Wellen zu hören, und der sonst so beeindruckende Blick auf die Felsnadeln von Reynisdrangar blieb zunächst verborgen. Der schwarze Sand glänzte feucht, und die Luft war schwer von Salz und feinem Sprühnebel und im Hintergrund rauschten die Wellen.



Die sonst so oft fotografierte Kulisse zeigte sich an diesem Tag von einer ganz anderen Seite: Statt Postkartenidylle eine fast mystische Atmosphäre. Wir hatten in unserer kurzen Zeit in Island aber ohnehin nicht vor, das Land einmal über die Ringstraße zu umrunden. Daher würden wir auf dem Rückweg hier (hoffentlich) ohnehin mit dem Wohnmobil wieder vorbeikommen. Wenn das Wetter dann besser wäre, würden wir dem Strand einen erneuten Besuch abstatten.
Die Gletscherzunge Sólheimajökull
Wie schnell sich das Wetter in Island ändern kann, zeigte die kurze Fahrt vom Strand zur nur rund 30 km entfernten Gletscherzunge Sólheimajökull. Der Abzweig zum Sólheimajökull liegt unscheinbar an der Ringstraße, doch schon nach wenigen Minuten Fahrt wirkt die Landschaft zunehmend rauer und karger.
Am Parkplatz angekommen, blies uns ein frischer Wind entgegen – typisch Südisland – nach einer kurzen Sichtkontrolle des Gartenschlauch-Pflasters (trocken) traten wir den kurzen Weg zum Gletscher an, welcher Stück für Stück immer mehr von seiner gewaltigen Präsenz preisgab.

Schon aus der Ferne wirkte die Gletscherzunge beeindruckend: ein breites, zerklüftetes Band aus Eis, das sich langsam aus dem Mýrdalsjökull herausschiebt. Je näher wir kamen, desto deutlicher sah man die Strukturen im Eis – tiefe Spalten, dunkle Schichten aus Vulkanasche und helle, fast kristallklare Bereiche, in denen sich das Licht schimmerte.
Auf einmal war es absolut windstill und die Silhouetten des Gletschers spiegelten sich im See. Immer wieder faszinierend, wie schnell das Wetter in Island innerhalb von wenigen Minuten vollständig umschlagen kann.



Der Kontrast aus Weiß, Grau und Schwarz macht den Sólheimajökull zu einem der fotogensten Gletscher Islands, aber auch zu einem, der die ständige Veränderung der Natur (u.a. durch den Klimawandel) besonders anschaulich zeigt.


Am Rand des Gletschers hörten wir das leise Tropfen des Schmelzwassers, das in kleinen Rinnsalen Richtung des Sees floss. Es war ein eigenartiger Moment: ruhig und beeindruckend zugleich. Wir standen eine Weile dort, ließen den Blick über das zerfurchte Eis schweifen und spürten die Kälte, die aus den Gletscherschpalten herausströmte. Hier muss man genau aufpassen, wohin man tritt und auf den Gletscher selbst, darf man nur mit einem Guide und entsprechender Ausrüstung.
Abstecher zum mächtigen Skógafoss
Von der Gletscherzunge Sólheimajökull ging es wieder den Berg hinab auf die Ringstraße zum nächsten Naturwunder des Landes, dem mächtigen Wasserfall Skógafoss. In der Region liegen die meisten Sehenswürdigkeiten so nah beieinander, dass es sich kaum lohnte, die Jacke im Auto auszuziehen, weil wir bereits 15 Minuten später am Parkplatz des Wasserfalls ankamen.
Schon von der Straße aus konnten wir den Skógafoss sehen. Auf dem (natürlich kostenpflichtigen) Parkplatz angekommen, haben wir noch kurz Gummistiefel und Regenjacke angezogen und es konnte losgehen. Je näher wir kamen, desto mächtiger wurde das Rauschen, bis wir schließlich vor der breiten, weißen Wasserwand standen. Der 60 Meter hohe Wasserfall wirkte an diesem Tag mit den dunklen Wolken besonders eindrucksvoll – kraftvoll, laut und irgendwie mystisch.

Wir gingen langsam näher heran, Schritt für Schritt, während die Gischt immer kräftiger wurde. Irgendwann bildete sich vor uns ein feiner Sprühnebel, der alles einhüllte und uns innerhalb weniger Sekunden an den Beinen aufgrund von vergessener Regenhose klatschnass machte. Doch genau das gehört beim Skógafoss irgendwie dazu.
Wer möchte kann die lange Treppe seitlich des Wasserfalls erklimmen und hinter dem Aussichtspunkt führt ein Weg weiter entlang des Flusses in Richtung Hochland. Hier kann man schöne Wanderungen unternehmen und noch einige (wenn auch deutlich kleinere) Wasserfälle bestaunen.
Aufgrund der Wetterlage und der bereits etwas fortgeschrittenen Stunde verzichteten wir jedoch auf eine längere Tour im Hochland und traten die Weiterreise in Richtung unseres ersten HotPots an.
Seljavallalaug – Der verlassene Pool
Auch die nächste Fahrt dauerte kaum länger als 15 Minuten und vom kleinen (kostenlosen) Parkplatz sind es nur rund 20 Minuten zu Fuß bis zum Seljavallalau, dem “ältesten Freibad” Islands. Vom Parkplatz ging es zunächst über einen schmalen Pfad, vorbei an Geröllfeldern und entlang eines Flusses, und dann tauchte sie plötzlich auf: die alte, weiß gestrichene Badehütte.

Seljavallalaug ist kein gewöhnliches Bad und auch kein natürlicher Hot Pot. Es wurde 1923 von der Jugendgruppe Ungmennafélagið Eyfellingur errichtet und war damals eines der ersten Schwimmbäder Islands. Das Wasser, welches über ein Rohr hineinläuft, stammt direkt von einer warmen Quelle in den umliegenden Bergen. Es wird somit von Natur aus beheizt, allerdings nur auf eine moderate Temperatur – warm genug zum entspannten Schwimmen, aber kein Vergleich zu einem heißen Thermalbad.
Wir waren hier vollkommen alleine, also fix umgezogen, die moosigen Betonstufen hinunter und langsam ins Wasser geglitten. Es war zwar leicht milchig und vereinzelt auch mit Algen überzogen – typisch Seljavallalaug eben. Aber genau dieser rustikale Charme macht das Bad so besonders.


Hier konnten wir direkt noch einmal unsere neuen Reisehandtücher und den super bequemen Poncho von von Valleys & Hills nutzen. Die sind leicht, fühlen sich sehr angenehm auf der Haut an und trocknen super schnell. Eine klare Kaufempfehlung an dieser Stelle.


Seljavallalaug ist keine Wellness-Oase – sie ist ein Stück Geschichte, ein wenig wild, wie die umliegende Landschaft und genau dadurch unglaublich besonders. Ein Ort, den man so schnell nicht vergisst.
Der schöne Seljalandsfoss in der Dämmerung
Zurück am Wohnmobil tranken wir erst einmal in Ruhe einen heißen Kaffee und aßen ein Stück Kuchen. Frisch gestärkt fuhren wir über die von Schlaglächern überzogene Piste wieder zurück auf die Ringstraße und bogen nach rechts ab in Richtung Seljalandsfoss.
Es war sehr nebelig und fing auch noch an zu regnen, sodass wir eigentlich nicht vorhatten den Seljalandsfoss zu besuchen und lieber direkt weiter zum Campingplatz zu fahren. Das mit dem Wetter ist in Island aber so eine Sache, denn es kann innerhalb von wenigen Minuten bzw. wenigen Metern vollkommen umschlagen. Und das in beide Richtungen.
In unserem Fall zum Positiven und kurz vor der Kreuzung durchquerten wir die Nebelwand und auf einmal war blauer Himmel zu sehen und so bogen wir noch schnell rechts zum Wasserfall ab. Vom Parkplatz aus sind es auch nur wenige Meter und schon steht man an der 60 Meter hohen Fallkante, wo das Wasser in einer kräftigen Säule in ein kleines Becken stürzt.

Es war bereits später Nachmittag und die tief stehende Herbstsonne tauchte die Landschaft in ein warmes, goldenes Licht. Der Wasserfall wirkte auf einmal noch beeindruckender: Das weiße Wasser kontrastierte stark mit den rötlich-goldenen Hängen, und die Gischt fing die Sonnenstrahlen ein und zauberte kleine Regenbögen in die Luft. Wir liefen den Pfad bis hinter den Wasserfall und hier hört und spürt man die Kraft des Wassers ganz besonders.




Normalerweise reihen sich am und besonders hinter dem Seljalandsfoss Besucherscharen wie Lemminge aneinander, aber aufgrund der Jahreszeit und der fortgeschrittenen Stunde, war hier im Verhältnis zu unserer Tour im Sommer kaum etwas los. Wir müssen ja auch mal etwas Glück haben!
Am Fuße des Wasserfalls und abseits der feinen Gischt, blieben wir noch ein Weilchen stehen, um die Farben zu genießen. Die umliegenden herbstlich gefärbten Hänge rundeten die Kulisse ab und gaben dem ganzen Ort einen warmen, ganz besonderen Charakter. Als die Sonne schließlich hinter den Felsen verschwand, verblasste das Licht langsam, und es war an der Zeit das Nachtlager aufzuschlagen.
Farbenspiele in der Nacht – Polarlichter in Island
Nicht weit entfernt vom Seljalandsfoss liegt etwas abseits der Straße das Hotel Fljótshlið und hier gibt es auch die Möglichkeit mit dem Wohnmobil zu übernachten. Wir bogen von der Ringstraße auf die 261 und fuhren mit den letzten Sonnenstrahlen in Richtung des Hotels.

Wir waren die einzigen Gäste mit rollendem Häuschen und so bestand noch freie Platzwahl. Wir stellten uns etwas abseits der Gebäude an den Rand der Wiese und ließen den Tag gemütlich ausklingen.
Es war schon fast Mitternacht und eigentlich wollten wir ins Bett gehen, als unsere Aurora-App Alarm schlug. Wir schalteten die Beleuchtung im Wohnmobil aus und schauten durch die Fenster nach draußen. Am Himmel war ein leichter blauer Schleier zu erkennen, aber um es genau zu sehen, müssen wir wohl nach draußen. Unser Außenthermometer zeigte minus 8 Grad und so zogen wir erst mal unsere warmen Klamotten an, bevor wir uns da draußen begaben.
Draußen, über dem weiten, dunklen Himmel Islands, tanzten die Aurora Borealis in grünen und violettfarbenen Schleiern. Jede Bewegung wirkte fließend, als würde der Himmel selbst atmen und Geschichten erzählen. Immer wieder ein absoluter WOW-Moment.



Wir standen still im Schnee, die Finger klamm und die Nasen rot, und konnten nur staunen. Kein Foto, kein Video konnte die Intensität dieses Moments einfangen – man muss es einfach selbst erleben und das Licht auf sich wirken lassen. Die Sterne funkelten durch die schwachen Nebelschleier, der Wind strich leise über die Landschaft, und die Nordlichter bewegten sich über uns, ein unglaublicher Moment.



Trotz der Minusgraden blieben wir draußen, ließen den Atem in der kalten Luft aufsteigen und genossen das Schauspiel, das sich über uns entfaltete. Immer wieder, wenn wir dachten, jetzt ist es vorbei und wir können reingehen, wurde es wieder stärker und wir blieben draußen. Es war ein Augenblick völliger Stille, einer dieser Momente, in denen die Natur alles andere in den Schatten stellt.


Als wir schließlich nach fast zwei Stunden durchgefroren ins Wohnmobil zurückgingen, waren wir immer noch überwältigt und klebten mit der Nasenspitze noch einige Zeit an der Scheibe, um noch etwas von diesem Naturschauspiel erleben zu dürfen.
Dieses Erlebnis – Polarlichter mitten in der Nacht, umgeben von eisiger Kälte und endloser Weite – gehört definitiv zu den unvergesslichsten Momenten unserer Islandreise. Solche Momente entschädigen alle Strapazen, etwa das kleine Desaster mit unserer Kühlwasserleitung.
Im nächsten Teil unserer Reise baden wir in einem heißen Fluss, besteigen einen schneebedeckten Vulkan, besuchen die Hauptstadt Reykjavik und kämpfen im Nationalpark mit dem Totalausfall unserer Heizung und das natürlich bei Minustemperaturen und starkem Sturm.
Die Stationen dieser Etappe
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