Im Licht des Nordens – Island im Spätherbst – Teil 4
Nachdem der Tag so wunderschön mit einem Konzert in der Harpa am Hafen Reykjaviks begonnen hatte, verließen wir die Hauptstadt in Richtung des Þingvellir-Nationalparks, ohne ahnen zu können, dass wir am Abend bei Minusgraden noch einen Totalausfall unserer Heizung zu verzeichnen haben werden.
Inhaltsverzeichnis anzeigen
- Im Þingvellir-Nationalpark
- Der Wasserfall Öxarárfoss
- Durch die Almannagjá-Schlucht
- Totalausfall unserer Heizung bei Minusgraden
- Redundanz der Heizung rettete unseren Urlaub
- Ein Abstecher zum Brúarfoss
- Der zuverlässige Geysir Strokkur
- Zum goldenen Wasserfall Gullfoss
- Wanderung zum Fuße des Háifoss
- Der begehbare Kvernufoss
- Oberhalb vom Reynisfjara Beach
- Reynisfjara Beach – zweiter Versuch
- Die Stationen dieser Etappe
- Zum letzten Teil der Reise.
Unser erstes Ziel war die Silfra-Spalte, wo sich jedes Jahr die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte ein kleines Stück langsam voneinander entfernen. Das Wasser in einem der weltweit beliebtesten Tauch- und Schnorchelgebiete ist unglaublich klar und gespeist wird die Silfrea-Spalte von Schmelzwasser des Langjökull-Gletschers, das über viele Jahrzehnte durch poröses Lavagestein gefiltert wird und daher so rein ist und eine Sichtweite von über 100 Metern ermöglicht.
Im Þingvellir-Nationalpark
Als wir den Parkplatz erreichten, glitten gerade Taucher und Schnorchler lautlos durchs Wasser, während wir bei -6° C und einem gefühlt noch viel kälteren Wind vom Ufer aus zusahen. Auch ohne selbst ins Wasser zu gehen, war der Anblick beeindruckend. Die Stille, das klare Wasser und das Wissen, genau zwischen zwei Kontinenten zu stehen, machten diesen Ort einzigartig.




Der Wasserfall Öxarárfoss
Wir spazierten an der 1859 erbauten Þingvallakirkja-Kirche vorbei in Richtung des nahegelegenen Wasserfalls Öxarárfoss. Er stürzt über dunkle Lavastufen in eine enge Schlucht und wirkt dabei trotz seiner recht überschaubaren Höhe von nur 12 Metern sehr kraftvoll. Besonders schön ist zu der Jahreszeit der Kontrast zwischen dem weißen Wasser, dem schwarzen Gestein und der schon leicht mit Schnee und Eis bedeckten Landschaft.


Durch die Almannagjá-Schlucht
Vom Wasserfall aus machten wir uns bei untergehender Sonne auf in Richtung des Besucherzentrums vom Þingvellir-Nationalpark und durchquerten dabei die Almannagjá-Schlucht und im herbstlichen Licht wirkte die Schlucht besonders eindrucksvoll.



Von der Schlucht aus hat man einen schönen Blick auf den riesigen Nationalpark und natürlich auf die Silfra-Spalte, an der sich die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte hier jedes Jahr um einige Millimeter voneinander entfernen.



Neben ihrer geologischen Bedeutung ist die Almannagjá auch historisch wichtig. In ihrer unmittelbaren Nähe befand sich der Versammlungsort des Alþingi, des ältesten noch bestehenden Parlaments der Welt, das hier bereits ab dem Jahr 930 tagte.
Heute führt ein gut ausgebauter Weg durch die Schlucht, sodass Besucher diesen einzigartigen Ort bequem zu Fuß erkunden können. Die Almannagjá verbindet auf eindrucksvolle Weise Naturgeschichte und Menschheitsgeschichte und ist damit weit mehr als nur eine beeindruckende Felsspalte – sie ist ein zentraler Ort der isländischen Identität.
Totalausfall unserer Heizung bei Minusgraden
Wir steuerten mit den letzten Sonnenstrahlen den nahegelegenen Fagrabrekka Campingplatz an und als wir unsere Wohnkabine bestiegen, fühlten wir sofort das etwas nicht stimmte. Es war definitiv zu kalt im Wohnraum und ein Blick auf das Bedienpanel unser Eberspächer Dieselheizung bestätigte leider das mulmige Gefühl.
Dort stand Fehler H1 und beim Auslesen über das Servicemenü wurde uns der Fehlercode P000223 angezeigt. Das bedeutet laut Dokumentation eine Blockierung des Verbrennungsluftgebläses (Brennermotor). Das Flügelrad ist blockiert, verschmutzt oder schwergängig. Na toll!
Die Heizung ist bei uns recht schwer zugänglich unterhalb der Sitzbank neben dem Frischwassertank verbaut. Ich konnte zwar mit den Fingern das Flügelrad ertasten, aber dieses ließ sich leider nur ein kleines Stück bewegen, bevor es durch irgendetwas blockierte. Ich entfernte den Gehäusedeckel, aber weiter kam ich nicht an das Flügelrad heran.

Wir nahmen Kontakt zu unserem Ausbauer Wilde in Goslar auf und versuchten per Videotelefonie diverse Maßnahmen, um die Heizung wieder ans Laufen zu bekommen. Bedauerlicherweise alles ohne Erfolg, weil es sich hier wohl um ein mechanisches Problem handelt und man die Heizung für eine (sofern möglich) Reparatur wohl ausbauen müsste.
Redundanz der Heizung rettete unseren Urlaub
Glücklicherweise haben wir uns in der Heckgarage eine zweite Heizung in der kleineren Version in Form einer Airtronic M2 mit 2 kW Leistung verbauen lassen, welche auch über einen Luftauströmer in Richtung des Wohnraums und einen in das Badezimmer verfügt. Diese Heizung sollte primär zur Erwärmung der Garage und des darüberliegenden Bettes dienen. Dass sie auch als Redundanz zum Einsatz kommen könnte, war ein netter Nebeneffekt, der uns jetzt den Urlaub gerettet hat.
Natürlich haben wir (egal zu welcher Jahreszeit) immer einen kleinen Keramikheizlüfter in Form des Ecomat 2000 (Testbericht) mit dabei, aber bei aktuellen -10° C war es schon sehr von Vorteil, eine zweite Dieselheizung zu haben. Strom bekommt man für den Heizlüfter zwar nahezu allen Campingplätzen in Island und in der Regel kostet die Pauschale auch nur um die 5 EUR, aber tagsüber sind wir unterwegs und können nicht auf Landstrom zurückgreifen.
Laut Eberspächer Webseite gäbe es zwar einen Standort im nur 60 Kilometer entfernten Reykjavik, aber am nächsten Tag stellte sich nach einigen Telefonaten mit der Zentrale in Deutschland heraus, dass es sich hierbei nur um einen Vertriebskontakt in Island, und nicht um eine Werkstatt handeln würde.
Der Platzhirsch für Heizungen in Campingfahrzeugen ist in Island der Hersteller Webasto und somit war eine Reparatur bzw. Austausch erst wieder in Deutschland möglich. Nach dem Riss unserer Kühlwasserleitung am Anfang der Tour (nachzulesen in Teil 2) haute uns so schnell aber auch nichts mehr um und wir waren erneut einfach nur froh, die Reise nicht vorzeitig abbrechen zu müssen.
Ein Abstecher zum Brúarfoss
Nach dem kleinen Schock mit der Heizung, konzentrierten wir uns wieder auf das Reisen in einem der schönsten Länder Europas und traten die Weiterreise in Richtung Brúarfoss an. Er ist einer der Wasserfälle, auf die wir uns besonders gefreut hatten. Schon der Weg dorthin machte Lust auf mehr: Ein schöner Spaziergang entlang des Flusses, begleitet vom stetigen Rauschen des Wassers und der herbstlichen Landschaft, führte uns immer näher an unser Ziel heran.
Als wir den Brúarfoss schließlich erreichten, verstanden wir sofort, warum er so beliebt ist. Das Wasser leuchtet hier in einem intensiven Blau, fast schon Türkis, und stürzt über dunkle Felsstufen in die Tiefe. Dieser Farbkontrast ist beeindruckend und wirkt je nach Licht und Wetter immer wieder anders. Wir blieben eine ganze Weile stehen, machten Fotos und ließen den Anblick einfach auf uns wirken.


Im Herbst zeigte sich der Brúarfoss von einer ruhigeren Seite. Weniger Besucher und die kühle Luft sorgten für eine entspannte Atmosphäre, in der man den Ort richtig genießen konnte. Der Brúarfoss ist kein riesiger Wasserfall, aber einer, der durch seine Farben und seine besondere Lage lange im Gedächtnis bleibt – ein echtes Highlight unserer Reise.
Der zuverlässige Geysir Strokkur
Nur ein paar Minuten Fahrtzeit entfernt, liegt in einem weitläufigen Geothermalgebiet der Geysir Strokkur. Wir stellten uns an den Rand des Beckens und warteten gespannt. Das Wasser begann sich langsam zu wölben, ein tiefes Blubbern war zu hören – und dann schoss plötzlich eine Wasserfontäne in die Höhe. Alle paar Minuten wiederholt sich dieses einzigartige Naturschauspiel.



Zum goldenen Wasserfall Gullfoss
Das Wetter an dem Tag war ein Traum und daher mussten wir nicht lange überlegen und sind direkt noch die paar Minuten weiter bis zum Gullfoss gefahren. Der Gullfoss, der „Goldene Wasserfall“, gehört zu den beeindruckendsten Naturwundern Islands. Vom Parkplatz aus führt ein kurzer, gut angelegter Weg hin zu den Aussichtsplattformen, die einen schönen Blick auf die zweistufigen Kaskaden bieten.


Als wir die Plattform erreichten, waren wir erneut von der schieren Kraft des Wassers überwältigt. Unaufhörlich stürzt die Hvítá hier über zwei Stufen in eine enge Schlucht, während die Gischt kleine Regenbögen in die Luft zauberte. Selbst an einem kühlen Herbsttag spürte man die Energie und die Feuchtigkeit in der Luft und nass wurde man durch die feine Gischt selbst aus weiter Distanz.

Der Weg zur unteren Plattform war aufgrund der herrschenden Minustemperaturen vollständig vereist und daher geschlossen, aber auch von hier oben war der Wasserfall gut zu beobachten.
Vom Gullfoss aus, steuerten wir unser Tagesziel den nahegelegenen Campingplatz Flúðir an. Hier standen wir vollkommen alleine auf den großen Gelände und die Bezahlung lief per Überweisung unter Angabe des Kennzeichens ohne jeden weiteren Menschenkontakt.

Am nächsten Morgen füllten wir noch unseren Dieseltank an der örtlichen Zapfsäule auf und traten die Weiterreise in Richtung Háifoss an.
Wanderung zum Fuße des Háifoss
Schon die Anfahrt zum Háifoss war ein kleines Abenteuer für sich. Die schmale Schotterpiste (Nr. 332) führte durch eine karge Landschaft und war stellenweise bereits vollständig vereist und Hinzukamen noch große spitze Steine, was volle Konzentration verlangte. Langsam tasteten wir uns voran, immer mit dem Blick auf den Untergrund und der Frage im Hinterkopf, ob die Bedingungen noch schlechter werden würden.
Am Parkplatz angekommen standen wir im dicken Nebel. Die Sichtweite betrug keine 100 Meter und so machten wir erst einmal eine ausgiebige Mittagspause und warteten auf einen Wetterumschwung, der in Island innerhalb von Minuten (in beide Richtungen) passieren kann.

Das Warten hatte sich gelohnt, denn nach etwas über eine Stunde klarte es auf und wir zogen los. Vom oberen Aussichtspunkt aus eröffnete sich ein erster, beeindruckender Blick in die Schlucht. Tief unter uns stürzte das Wasser in die Tiefe, eingerahmt von steilen Felswänden und weiter Landschaft.



Trotz der fortgeschrittenen Stunde wagten wir den Abstieg ins Tal. Die Wanderung hinunter begann direkt sportlich über schmale Pfade und loses Gestein, das stellenweise vereist und somit sehr rutschig war und daher einiges an Trittsicherheit erforderte.
Mit jedem Schritt nach unten wurde das Rauschen des Wassers lauter, die Dimensionen des Wasserfalls greifbarer. Unten angekommen, standen wir einen Moment still und ließen die gewaltige Szenerie auf uns wirken. Der Háifoss fällt hier fast 120 Meter in die Tiefe und die feine Gischt hing kühl in der Luft.



Der Aufstieg hatte es in sich und wir mussten uns aufgrund der bereits untergehenden Sonne dabei auch etwas beeilen. Doch trotz müder Beine waren wir uns am Ende einig: Es hat sich gelohnt!
Im Schneckentempo fuhren wir über die Schotterpiste zurück in Richtung Zivilisation. Wir verbrachten die Nacht auf dem stillgelegten Þjórsárdalur Camping Ground und hatten nach so einem schönen Tag sogar noch die Möglichkeit Nordlichter zu bestaunen. Was kann es Schöneres geben?

Am nächsten Morgen machten wir uns wieder auf den Weg in Richtung Küste. Leider neigte sich unser Zeitfenster in Island langsam dem Ende und die Wettervorhersage der kommenden Tage versprach nichts Gutes, sodass wir einen längeren Abschnitt fahren wollten (mussten). So fuhren wir über die Nr. 30 in Richtung der Ringstraße und dann weiter in Richtung des Ortes Vík í Mýrdal.
Der begehbare Kvernufoss
Der Kvernufoss ist einer dieser Wasserfälle, die man leicht übersieht – und genau das macht seinen besonderen Reiz aus. Nur einen kurzen Spaziergang vom großen Skógarfoss entfernt, führt ein schmaler Weg durch eine kleine Schlucht direkt zu diesem versteckten Naturjuwel.
Als wir den Wasserfall erreichten, zogen über uns langsam dunkle Gewitterwolken auf. Der Himmel wurde schwerer, das Licht gedämpfter, und die Felswände wirkten plötzlich noch kontrastreicher.

Der Kvernufoss stürzt über die hohe Felskante rund 30 Meter in die Tiefe, während der Wind auffrischte und das Rauschen des Wassers sich mit dem entfernten Grollen vermischte.



Wir blieben eine Weile stehen, machten Fotos und genossen diese dramatische Stimmung. Die Möglichkeit, hinter den Wasserfall zu gehen, wirkte unter dem dunkler werdenden Himmel fast abenteuerlich. Trotz der Nähe zum Skógafoss waren wir hier fast alleine, was wir sehr genossen. Als die Wolken dichter wurden und der Regen einsetzte, machten wir uns wieder auf den Rückweg.


Oberhalb vom Reynisfjara Beach
Nur wenige Minuten vom Kvernufoss liegt der bekannte Reynisfjara Beach, welcher sich auf der Hinfahrt in dichtem Nebel versteckt hatte. Anstatt direkt zum Strand zu fahren, hielten wir kurz vorher an einer Kirche, schnappten uns die Rucksäcke und stiegen den Hügel hinauf.
Die Wanderung auf den Hügel oberhalb des Reynisfjara Beach war kurz, aber eindrucksvoll – und vor allem eisig. Schon beim Aufstieg blies uns ein kalter, kräftiger Wind entgegen, der deutlich machte, wie rau die Südküste Islands zu der Jahreszeit sein kann. Jeder Schritt nach oben verlangte ein wenig mehr Kraft, während wir uns gegen den eisigen Wind stemmten.


Oben angekommen, wurden wir mit einem spektakulären Blick belohnt. Unter uns lag der schwarze Sandstrand von Reynisfjara, die mächtigen Atlantikwellen rollten unaufhörlich an die Küste, und die bekannten Felsnadeln, die Reynisdrangar, ragten düster aus dem Meer.


Der Wind peitschte uns ins Gesicht, ließ die Jacken flattern und machte das Stehen fast zu einer kleinen Herausforderung. Trotz der Kälte blieben wir eine Weile, denn die Szenerie war einfach zu beeindruckend, um sofort wieder abzusteigen und entschädigte alle Strapazen.
Reynisfjara Beach – zweiter Versuch
Wieder am Camper angekommen sind wir natürlich noch mal zum Reynisfjara Beach gefahren. Das Wetter war zwar nicht wirklich optimal, aber immerhin besser, als auf der Hinreise und wo wir ja schon einmal da sind, können wir einen zweiten Versuch wagen.


Besonders schön sind die Reynisdrangar-Felsen, die wie stumme Wächter aus dem Wasser ragen, sowie die Basaltsäulen, die wie von Hand geformt am Strand stehen. Diese markanten Formen verleihen dem Strand seine besondere Atmosphäre – Naturkunstwerke, die über Jahrtausende geformt wurden.


Wir gingen am Wasser entlang und der eisige Wind blies kräftig und es wurde immer unangenehmer. Als es dann wieder anfing zu regnen, brachen wir ab und suchten das Weite in Richtung des nahegelegenen Campingplatzes in Vík í Mýrdal.
Auf dem Platz angekommen, schnappten wir uns als Erstes die schmutzige Wäsche und buchten uns eine Waschmaschine. Die Stunde bis die Maschine fertig war, nutzten wir noch für einen kleinen Einkauf bei Icewear, denn Sonja wollte unbedingt noch einen neuen handgestrickten Pullover aus der so beliebten Island-Schafswolle haben. Also Jacken an und los durch den Eisregen rüber zur Hauptstraße.
Große Lust zu kochen hatten wir heute nicht wirklich und so besorgten wir uns im dortigen Supermarkt zwei aufbackbare Knoblauchbrote in Form von Pizzen. Dank unserer Tefal XL Heißluftfritteuse* sind nämlich auch Tiefkühlpizzen und Ähnliches kein Problem. Verdammt lecker und während es draußen anfing zu schneien und der Sturm immer heftiger wurde, machten wir es uns im Camper gemütlich und ließen den Tag ausklingen.
Die Stationen dieser Etappe
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen