Im Licht des Nordens – Island im Spätherbst – Teil 5
Nach einer stürmischen Nacht auf dem Campingplatz in Vík í Mýrdal, verhieß der Wetterbericht für die nächsten Tage leider nichts Gutes. Starker Schneefall, vereiste Straßen und starker Wind waren vorhergesagt und auch wenn es “nur” noch rund 500 Kilometer bis zur Fähre in Seyðisfjörður im Osten von Island waren, sollte man das Wetter in Island niemals unterschätzen. Es kann immer zu kurzfristigen Straßensperrungen kommen und in den Osten des Landes führt nur die Ringstraße. Sollten dort auch nur einige wenige Passagen gesperrt sein, würden wir im schlimmsten Falle unsere Fähre nicht mehr rechtzeitig erreichen und säßen auf Island fest.
Inhaltsverzeichnis anzeigen
- Auf den Hjörleifshöfði
- In die Hjörleifshöfði Cave
- Ein Abstecher zum Virkisjökull
- Ein Sturm zieht auf
- Unsere Fähre fährt früher los
- Vök Baths – ein warmer Abschied von Island
- Ein letztes Mal über den Pass
- Eine Seefahrt die ist lustig
- Zwangspause auf den Färöern
- Die Stationen dieser Etappe
- Unser Fazit zu einer Reise im Herbst nach Island
Wenige Kilometer hinter Vík í Mýrdal wurde das Wetter aber bereits wieder besser und wir beschlossen eine kleine Pause einzulegen und zumindest noch eine kurze Wanderung zu unternehmen.
Auf den Hjörleifshöfði
Wir verließen die Ringstraße in Richtung Küste und hielten an einem Parkplatz. Die Wanderung auf den nur 220 Meter hohen Hjörleifshöfði führte uns in eine ganz besondere Landschaft. Schon beim Näherkommen wirkte der markante Hügel wie eine Insel inmitten der weiten Sanderflächen – kein Wunder, denn früher lag er tatsächlich direkt an der Küste. An diesem Tag war die Umgebung von Schnee überzogen, der Wind kalt und klar, und wir waren wohl heute die Einzigen, die bei dem Wetter eine Wanderung unternehmen wollten.
Der Aufstieg begann gemächlich, wurde aber mit zunehmender Höhe steiler. Der Schnee und das Eis knirschten unter den Schuhen, und stellenweise war der Untergrund glatt, was volle Konzentration verlangte. Trotz der Kälte lohnte sich jeder Schritt, denn mit jedem Meter öffnete sich der Blick weiter über die endlosen Ebenen des Mýrdalssandur und hinüber zum Atlantik.




Der Hjörleifshöfði ist nicht nur landschaftlich, sondern auch historisch interessant. Der “Berg” ist nach Hjörleifr Hróðmarsson benannt, dem Blutsbruder von Ingólfur Amarson, dem ersten Siedler Islands. Im Jahr 874 brachen sie gemeinsam nach Island auf, gingen jedoch getrennte Wege. Ingólfur überwinterte in Ingoltshotor und Hjörleifur in Hjörleifshöföi. Im folgenden Frühjahr töteten Hjörleifurs Sklaven ihn und seine Männer und flohen dann mit den Frauen auf einem Schiff zu den Westmännerinseln. Ingólfur fand sie dort und tötete sie. Oben auf dem Hügel soll er angeblich begraben worden sein.


Obwohl das Gebiet als schwer bebaubar galt, war es reich an anderen Ressourcen wie Strandgut, Vögeln und Eiern. Lange Zeit gab es westlich unterhalb des Gipfels einen Bauernhof. Nach dem Ausbruch des Katla im Jahr 1721 kam es jedoch zur größten Überschwemmung in der Geschichte Islands, welche alles mit sich riss. Der Hof, dessen Überreste noch zu erkennen sind, wurde auf der Südseite neu errichtet und blieb dort, bis der letzte Bewohner 1936 wegzog.


In die Hjörleifshöfði Cave
Nach der Wanderung auf den Hjörleifshöfði besuchten wir noch die Höhle, welche direkt am schwarzen Sand unterhalb des Berges liegt. Die Höhle wurde über viele Jahre hinweg durch die Kraft des Meeres in das weiche Vulkangestein geformt. Wind, Wellen und Sand haben hier eine natürliche Öffnung geschaffen, die heute wie ein dunkles Tor zum Atlantik wirkt.



Die Höhle ist auch inoffiziell unter dem Namen Yoda-Höhle bekannt, da ihre Umrisse an die bekannte Filmfigur aus Star Wars erinnern. Ursprünglich entstand sie vermutlich aber durch den Einsturz einer größeren Lavahöhle, von der nur noch dieser Teil erhalten geblieben ist.


Nach dem Besuch in der Höhle machten wir uns noch im Camper ein paar frische Waffeln und genossen dazu einen heißen Kakao wärend draußen ein eisiger Wind pfiff.
Die Nacht verbrachten wir auf dem 130 Kilometer entfernten Campingplatz in Skaftafell, den wir auch schon auf der Heinreise genutzt hatten. Für die Strecke brauchten wir aufgrund von ein paar vereisten Passagen etwas über 2 Stunden.
Ein Abstecher zum Virkisjökull
Von der Ringstraße ging es ein kurzes Stück über eine Schotterpiste zu einem Parkplatz. Je näher wir dem Gletscher kamen, desto beeindruckender wurde der Blick auf die Gletscherzunge, die sich langsam ins Tal herabschiebt. Das Eis zeigte unterschiedliche Farbtöne – von grauweiß bis bläulich –, durchzogen von dunklen Linien aus Asche und Geröll. Die Dimensionen des Virkisjökull wirkten gewaltig, auch wenn man gleichzeitig sah, wie weit sich das Eis bereits zurückgezogen hatte.



Wir blieben eine Weile stehen, machten Fotos und ließen die besondere Atmosphäre auf uns wirken. Gerade die Ruhe zu der Jahreszeit machte den Besuch so eindrucksvoll und regte zum Nachdenken an – über die Kraft der Natur, aber auch über ihre Verletzlichkeit.




Ein Sturm zieht auf
Nach unserem kleinen Abstecher zum Gletscher traten wir die Weiterfahrt ins rund 220 Kilometer entfernte Djupivogur an. Der Wetterbericht für die nächsten Tage bzw. Stunden sah nicht besonders gut aus. Am Straßenrand lag bereits ein Opfer der teilweise harten Witterungsbedingungen dieser Jahreszeit.

Die Straße war teilweise sehr vereist und starke Windböen machten das Fahren nicht gerade angenehm.



Wir haben auf der Passage immer wieder angehalten und und sind trotz des starken und eisigen Windes ausgestiegen, um ein paar Fotos der wunderschönen rauen Landschaft zu machen.


Wir erreichten zu später Stunde und in vollkommener Dunkelheit das Örtchen Djúpivogur und gingen dort als Erstes ins Schwimmbad. Die haben nämlich neben einer Sauna auch zwei Hot Pots und das war bei dem Wetter genau das Richtige. Porentief rein und vor allem aufgewärmt sind wir dann noch die paar Meter bis zum Campingplatz des Ortes gefahren. Die Buchung des Platzes ist online möglich.
Unsere Fähre fährt früher los
Von Westen näherte sich ein Tiefdruckgebiet, welches starken Schneefall mitbrachte und in der Nacht wurde bereits die Hauptstadt Reykjavik davon überrascht. Es wurde am Morgen eine Schneehöhe von 27 Zentimetern gemessen – so viel wie noch nie zuvor im Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1921. Dieses Tiefdruckgebiet sollte weiter nach Osten, also genau in unsere Richtung ziehen.
Wir hatten Glück die Rückfahrt etwas früher angetreten zu haben, denn so hatten wir einen gewissen Vorsprung. Auf der Webseite der isländischen Straßenverwaltung konnte man in Echtzeit den Zustand der Straßen begutachten und dort wurden immer mehr Abschnitte (hinter uns) gesperrt. Auf dem Campingplatz in Djúpivogur war an dem Morgen davon aber noch nichts zu spüren.

Während wir beim Frühstück saßen, erhielten wir eine Nachricht per SMS und E-Mail, dass aufgrund der Wetterbedingungen die Abfahrt unser Fähre ab Seyðisfjörður um einen Tag vorverlegt wurde.

Dass sich die Abfahrt der Fähre auch kurzfristig ändern, oder auch ganz abgesagt werden kann, darauf muss man sich besonders in einer solchen Jahreszeit und den damit verbundenen Wetterbedingungen einstellen. Womit wir aber auch nicht gerechnet hatten, dass man die Abfahrt vorverlegen würde.
Jetzt hatten wir wie schon erwähnt Glück gehabt, dass wir die Rückreise in Richtung Fähranleger frühzeitig angetreten und dadurch nicht in großen Zeitstress geraten sind. Von unserem aktuellen Standort waren es bis nach Egilsstaðir, wo wir die letzten Nächte auf dem Campingplatz verbringen wollten nur noch rund 90 Kilometer.
Auf der Strecke nach Egilsstaðir waren wir die meiste Zeit alleine unterwegs und da wir ja keinen Zeitstress hatten und laut Webseite die Straße auch durchgehend befahrbar war, konnten wir auch immer mal wieder anhalten und die schöne Landschaft auf uns wirken lassen.


Es ist in Island immer wieder faszinierend zu sehen, wie sich die Landschaft innerhalb weniger Kilometer verändert. Nach fast jeder Kurve sieht es anders aus und ob hier viel, oder eher weniger Schnee gefallen ist. Die vielen kleinen Fjorde des letzten Küstenabschnitts bei bestem Sonnenschein bestaunen zu dürfen, war ein Geschenk zum Abschluss der Reise und wir genossen jeden Augenblick.





Vök Baths – ein warmer Abschied von Island
Als krönenden Abschluss unserer Islandreise gönnten wir uns einen Besuch des Vök Baths bei Egilsstaðir – und besser hätte man diese Reise kaum beenden können. Draußen herrschten eisige Temperaturen, die Luft war klar und kalt, und genau dieser Kontrast machte den Moment so besonders.
Die warmen, geothermisch beheizten Becken liegen direkt am Urridavatn-See und scheinen fast mit dem Wasser des Sees zu verschmelzen. Als wir langsam ins warme Wasser stiegen, fiel die Kälte von uns ab. Dampf stieg in die kalte Luft, während wir im Becken saßen und den Blick bei einem Getränk über den ruhigen See schweifen ließen.




Es gibt mehrere heiße Becken in denen es sich mehr als gut aushalten lässt. Wer möchte kann auch zur Abkühlung über den flachen Beckenrand in den Urridavatn-See steigen. Sonja konnte es natürlich nicht lassen.




Mit dem Sonnenuntergang veränderte sich die Stimmung noch einmal komplett. Die Landschaft wurde dunkler, der See spiegelte die letzten Lichtreste des Tages, und nach und nach gingen die stimmungsvollen Lichter der Anlage an. In der Dunkelheit wirkte alles fast magisch: warm beleuchtete Becken, dampfendes Wasser und die stille Umgebung schufen eine ganz besondere Atmosphäre.




Gerade bei den winterlichen Temperaturen fühlte sich dieser Moment fast unwirklich an. Warmes Wasser, kalte Luft, Dunkelheit und Licht – all das vereinte sich zu tiefer Entspannung. Nach den vielen Kilometern, Wanderungen und den Herausforderungen des isländischen Wetters war dies genau der richtige Ort, um zur Ruhe zu kommen. Ein perfekter Schlusspunkt unserer Reise.
Ein letztes Mal über den Pass
Unsere letzte Nacht in Island verbrachten wir auf dem Campingplatz in Egilsstaðir und in der hatte es noch einmal eine ordentliche Menge Neuschnee gegeben. Manch ein Camper hatte morgens große Mühe den Platz ohne Anlegen von Schneeketten zu verlassen.
Wir ließen uns an dem Tag besonders viel Zeit und packten ganz entspannt unsere Sachen zusammen, die wir später mit auf die Fähre nehmen wollten. Was uns etwas stutzig machte, war das sich laut Fahrplan die Ankunft in Hirtshals nicht veränderte, obwohl wir ja einen Tag früher ablegen würden.
Nach Mittag brachen wir zur letzten Passage über den Pass in Richtung Seyðisfjörður auf. Der Check-in öffnete erst um 16:00 Uhr und somit waren wir noch perfekt im Zeitplan. Kurz nachdem wir Egilsstaðir verlassen hatten, wurden die Straßen- und Sichtverhältnisse auch schon wieder schlechter.


Wir fuhren ganz langsam den Pass hinauf und unangenehm wurde es erst, als es oben angekommen hinunter zum Fjord ging. Die Straße war nahezu vollkommen vereist und ein starker Seitenwind machte die Fahrt nicht gerade angenehmer. Frühzeitig bremsen und volle Konzentration waren angesagt.
Somit waren wir froh, als wir das Ortsschild von Seyðisfjörður passierten und uns wohlbehalten in die Reihe zum Check-in einreihen konnten. Wir bummelten noch ein wenig durch das kleine Örtchen, bevor wir pünktlich in die Fähre einfahren konnten.

Eine Seefahrt die ist lustig
Nachdem wir unsere Kabine bezogen hatten, erkundigten wir uns über Details zu der vorgezogenen Abfahrt und vor allem, warum die Überfahrt effektiv einen Tag länger dauern sollte. Das Wetter sollte am nächsten Tag auf dem Atlantik recht unangenehm werden und die Passage zwischen Island und den Färöer, wäre dann bei 7 bis 8 Meter hohen Wellen und Seitenwind kein wirklicher Spaß.
Heute würde man nur 5 Meter hohe Wellen und Wind von vorn und nicht von der Seite erwarten. Das wäre weiterhin nicht schön, aber deutlich “angenehmer” als am nächsten Tag versichert man uns. Tórshavn auf den Färöern, dem Heimathafen der MS Norrøna würde man wie geplant am nächsten Nachmittag erreichen. Dort würde man aber bis zum übernächsten Tag festmachen, damit wir wiederum pünktlich zwei Tage später um 11:00 Uhr in Hirtshals ankommen.
Ich vermute die Liegekosten sind für die Reederei im Heimathafen in Tórshavn deutlich geringer, als in Hirtshals. Wir hatten also einen Zwangsaufenthalt von knapp 28 Stunden auf den Färöern. Ein längerer Aufenthalt an Bord bedeutet natürlich auch einen zusätzlichen Bedarf an Verpflegung. Mahlzeitenpakete hatten wir bereits im Vorfeld gebucht, aber hier ist man uns mit einem Rabatt für die zusätzlichen Pakete etwas entgegengekommen.
Die Passage von Island zu den Färöern war auf jeden Fall kein Spaß für alle, die mit Seekrankheit zu tun haben. Schon kurz nachdem wir den sicheren Fjord verlassen hatten und auf den offenen Atlantik fuhren, wurde es “schaukelig“. Selbst im Stehen musste man sich festhalten und das Schiff schwankte die ganze Nacht über hin und her. Die Anzahl der Reisenden beim Frühstück war dementsprechend auch überschaubar und manches Gesicht auch noch ein wenig blass.
Die Nutzung vom Fitnessbereich, besonders vom Laufband war bei dem Seegang teilweise eine Herausforderung. Dafür verwandelte sich das kleine Schwimmbecken in ein Wellenbad. Insgesamt haben wir die Passage aber gut und ohne zu große Magenprobleme überstanden.
Zwangspause auf den Färöern
Als wir am späten Nachmittag Tórshavn erreichten, regnete es wie aus Kübeln und wir beschlossen das Schiff erst am nächsten Tag für einen Landgang zu verlassen. Am nächsten Morgen sah es draußen auch nicht wirklich besser aus, aber als sich das Wetter gegen Mittag besserte verließen wir die MS Norrøna für einen Spaziergang. Vom Hügel aus hat man einen guten Blick über die Stadt und die Bewegung an der frischen Luft hat uns wirklich sehr gut getan.


Am Abend legte die Fähre dann mit etwas Verspätung gegen 21 Uhr ab und wir bezogen einen der 3 Hot Tubes an Deck. Diese werden mit überschüssiger Wärme aus dem Maschinenraum erhitzt. So saßen wir beim Glas Wein im heißen Becken, während die die MS Norrøna den Hafen von Tórshavn verließ und auf den dunklen Atlantik in Richtung Dänemark steuerte.

Die Stationen dieser Etappe
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Weitere InformationenUnser Fazit zu einer Reise im Herbst nach Island
Unsere Reise nach Island im Spätherbst war intensiv, fordernd und unglaublich bereichernd. Gewaltige Wasserfälle, Gletscherzungen, schwarze Strände, aktive Vulkangebiete und stille Fjorde begleiteten uns Kilometer für Kilometer – oft rau, manchmal unwirtlich, aber immer beeindruckend.
Island zeigte sich nicht nur von seiner fotogenen Seite. Vereiste Straßen, stürmisches Wetter, technische Probleme am Wohnmobil und eisige Temperaturen forderten uns immer wieder heraus. Es gab Momente, in denen wir improvisieren mussten, Entscheidungen neu abwogen und unsere Pläne anpassten. Doch genau diese Situationen machten die Reise am Ende so besonders. Sie schweißten uns zusammen und ließen uns die schönen Augenblicke umso intensiver erleben.
Die Wanderungen zu Wasserfällen, Gletschern und Aussichtspunkten, zwischen zwei Kontinenten zu stehen, das Beobachten der Polarlichter in der kalten Nacht und das Eintauchen in warmes Wasser bei frostiger Luft – all das sind Erinnerungen, die bleiben. Besonders der Kontrast zwischen rauer Natur und wohltuender Wärme, zwischen Einsamkeit und lebendigen Orten wie Reykjavík, machte diese Reise am Ende einfach einzigartig.
Am Ende blicken wir dankbar zurück. Trotz – oder gerade wegen – der Strapazen war es eine Reise voller echter Erlebnisse. Island ist ein Land, das fordert, aber auch unglaublich viel zurückgibt.