Wintercamping in Heiligenblut am Fuße des Großglockners
Bei der Suche nach einem Ort zum Wintercamping möglichst nah am Skigebiet fiel unsere Wahl auf das kleine Örtchen Heiligenblut. Es liegt in der Region Kärnten am Fuße vom Großglockner, dem höchsten Berg Österreichs. Der im Tal liegende Platz Nationalpark-Camping Großglockner wird von Josef Fleißner ganzjährig betrieben und ist ein perfekter Ausgangsort für Aktivitäten aller Art.
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Entschleunigung in Heiligenblut
Ein kleiner Ort am Großglockner mit großer Geschichte – und genau diese Mischung aus Tradition, Natur und Ruhe macht den besonderen Charme von Heiligenblut aus. Eingebettet in die imposante Bergwelt der Hohen Tauern wirkt das Dorf im Winter fast wie ein lebendiges Postkartenmotiv: verschneite Dächer, schmale Gassen und mittendrin die berühmte Wallfahrtskirche St. Vinzenz.

Der Name „Heiligenblut“ geht auf eine alte Legende zurück. Prinz Briccius soll im Mittelalter eine Reliquie mit dem „Blut Christi“ bei sich getragen haben. Auf der Flucht über die Alpen kam er in der Region ums Leben, und an der Stelle seines Todes wurde später die Kirche errichtet.
Die abendliche Führung in der Wallfahrtskirche St. Vinzenz findet jeden Montag vom 22.12.2025 bis 30.03.2026 statt und ist sehr zu empfehlen. Die Anmeldung dafür erfolgt im örtlichen Infocenter.


Im Winter zeigt sich Heiligenblut von seiner vielleicht schönsten Seite. Neben dem Skifahren bietet der Ort eine Vielzahl an Aktivitäten, die perfekt zur ruhigen, naturnahen Atmosphäre passen. Wanderwege führen durch verschneite Wälder und über offene Flächen mit beeindruckenden Ausblicken auf die umliegenden Gipfel.
Wer es etwas aktiver mag, kann auch Schneeschuhwanderungen unternehmen und dabei noch tiefer in die unberührte Natur eintauchen. Auch Langlauf ist in der Region möglich, ebenso wie Rodeln auf präparierten Bahnen, die besonders am Abend ihren Reiz entfalten.
Trotz dieser Angebote bleibt Heiligenblut angenehm ruhig. Es gibt keine großen Menschenmassen, keine überfüllten Straßen und wilde Après-Ski-Partys. Selbst an Silvester hielt sich hier das Treiben entspannt zurück und vom Campingplatz aus hatten wir einen schönen Blick auf das Feuerwerk.


Im Ort selbst gibt es Hotels, Pensionen und Ferienzimmern, ein öffentliches Hallenbad sowie einige Restaurants. Die Pizzeria Casa Antica unweit der Kirche ist dabei sehr zu empfehlen. Für die Selbstverpflegung ist aber auch gesorgt, denn der örtliche Supermarkt verfügt trotz seiner überschaubaren Grüße über ein reichhaltiges Sortiment und faire Preise.
Nationalpark-Camping Großglockner
Ein zentraler Bestandteil unseres Winterabenteuers war der Aufenthalt auf dem Nationalpark-Camping Großglockner, bei dessen Ankunft wir herzlichst vom Betreiber Josef begrüßt wurden. Der Platz liegt im Tal des Ortes und bietet alles, was man für einen längeren Aufenthalt im Winter benötigt.


Saubere und warme Sanitäranlagen, Ski-Trockenraum, Strom-Flatrate (nicht unwichtig für die Heizung im Wohnmobil oder Wohnwagen) und die Station vom Skibus befindet sich direkt am Eingang des Campingplatzes. Es gibt auch ein kleines Restaurant am Platz mit kleiner aber feiner Karte regionaler Gerichte, in welchem wir u.a. den ersten Weihnachtstag verbracht haben.
Tipps für ein entspanntes Wintercamping
Thermomatten für den Innen- und/oder Außenbereich sorgen dafür, dass erst gar nicht so viel Kälte ins Fahrzeuginnere gelangen kann. Wer keine Heizung mit eingebautem Elektrostab im Wohnwagen oder Wohnmobil verbaut hat, sollte einen entsprechenden Heizlüfter mitnehmen. Unser Ecomat 2000 (Testbericht) sorgte durchgehend für eine angenehme Wärme im Fahrzeug.
Die Frischwasserstellen im Außenbereich sind aufgrund der Frostgefahr natürlich nicht zugänglich. Für den Transport von Frischwasser sollte man daher einen entsprechenden Kanister mitnehmen. Viele weitere Tipps gibt es auf der entsprechenden Seite zum Wintercamping
Vom Platz aus kann man auch je nach Wetterlage direkt in eine der vielen Langlaufloipen einsteigen oder Spaziergänge bzw. Wanderungen durch das Tal starten. Die Fahrt mit dem kostenlosen Skibus dauert nur etwa 10 Minuten und dieser fährt ab kurz nach acht Uhr morgens nahezu durchgehend zur Bergstation ins Zentrum von Heiligenblut.


Am Nachmittag kann man aber auch bergab einen Teil der Strecke vom Zentrum des Ortes, am Hallenbad vorbei bis zum Campingplatz auf Skiern oder natürlich auch zu Fuß bewältigen.
Skigebiet Großglockner – Heiligenblut
Was dieses Skigebiet so besonders macht, ist seine Weitläufigkeit und Ruhe. Anders als in vielen großen Skiregionen geht es hier spürbar entspannter zu. Die Abfahrten selbst bieten für jeden etwas – von sanften, breiten Pisten für Genießer bis hin zu anspruchsvolleren Strecken.

Mit 11 Liftanlagen und insgesamt 55 Pistenkilometer zählt Heiligenblut zwar eher zu den kleineren Skigebieten Österreichs, dafür ist es aber nicht so sehr überlaufen und man muss dementsprechend an den Liftanlagen auch nicht zu lange anstehen.
Ausrüstung, Skischule und Skipass
Die Skiausrüstung hatten wir im Vorfeld über Sport 2000 beim örtlichen Sportladen online reserviert. Dadurch geht die Abholung nicht nur etwas schneller, sondern man erhält noch einen entsprechenden Rabatt. Die Materialqualität war ausgezeichnet, und es hat alles einwandfrei funktioniert.
Unsere Tochter hat fünf Tage an einem ganztägigen Skikurs inkl. Mittagessen der Schneesportschule teilgenommen und wir waren insgesamt mit den Trainern und der gesamten Organisation sehr zufrieden.

Die Skipässe haben wir uns ebenfalls im Vorfeld online zugelegt und hier sind bei frühzeitiger Buchung entsprechende Rabatte möglich. Ein Skipass wird auch zusätzlich zum Skikurs benötigt selbst wenn die Liftanlagen (je nach Gruppe) dazu seltener genutzt werden.
Ob sich Einzelfahrten oder Tages beziehungsweise mehr Tagestickets für den Skikurs lohnen, ist, wie so oft ein Rechenexempel. Bei unserem Aufenthalt hat es für ein 13-tägiges Ticket für das gesamte Skigebiet kaum einen finanziellen Unterschied gegenüber einzelnen Liftkarten gemacht.
Hinauf ins Skigebiet
Vom Zentrum in Heiligenblut (1301 m) bringt einen die 4er-Gondelbahn in wenigen Minuten bis zur Mittelstation Rossbach (1754 m). Das gesamte Servicepersonal ist außerordentlich freundlich und hat immer ein Lächeln im Gesicht. Danke dafür! Auf der Fahrt nach oben eröffnen sich immer wieder Ausblicke ins Tal, auf verschneite Wälder und die umliegenden Berge. Von der Mittelstation aus geht es u.a. weiter bis zur Schareck auf 2604 Metern und in die Fleiß.




Um die Fließalm auf 2470 Metern zu erreichen, steigt man in eine Tunnelbahn. Sie verbindet die Mittelstation Rossbach mit der 56 Meter höher gelegenen Bergstation Fleißalm. Es handelt sich dabei um die im Jahr 1987 in Betrieb genommene „Seilgezogene Einschienen-Hängebahn“, einer Kombination von Seilbahn und Standseilbahn, welche weltweit einzigartig ist.



In die etwas in die Jahre kommenden Kabinen passen maximal fünf Personen, was während der Stoßzeiten teilweise etwas unangenehm sein kann. Von der Fleißalm aus kann man mit einer 4er-Sesselbahn und einem Schlepplift hinauf bis zur Hochfleiß auf 2902 Metern, dem höchsten Punkt im Skigebiet fahren. Aufgrund der Schneeverhältnisse endete bei uns die Fahrt aber auf der Fleiß.

Abseits der Pisten hat das Gebiet ebenfalls seinen Reiz. Kleine Hütten laden zum Einkehren ein, oft familiär geführt und mit einer Herzlichkeit, die man sofort spürt. Hier geht es nicht um Après-Ski-Trubel, sondern um Gemütlichkeit: eine warme Stube, regionale Spezialitäten und der Blick hinaus auf die winterliche Bergwelt.
Gerade diese Kombination macht das Skigebiet Großglockner – Heiligenblut so besonders. Es ist kein Ort für laute Partys oder Massentourismus, sondern für alle, die das Skifahren in seiner ursprünglichsten Form erleben möchten – ruhig, intensiv und eingebettet in eine beeindruckende Naturkulisse. Wir haben uns hier insgesamt sehr wohlgefühlt und eine schöne Zeit verbracht, auch wenn es sicherlich mehr Schnee hätte geben können, aber die Erde wird halt immer wärmer.